Samstag, 7. Dezember 2013

Björn Steinmetz verliert Kampfabstimmung im Baden-WürttembergischenTriathlonverband, Neuwahlen in spätestens 6 Wochen.

Björn Steinmetz (Ubstadt-Weiher), Gründer des Kraichgau Triathlon Festivals hat im Rahmen der Jahreshauptversammlung des Baden-Würtembergischen Triathlonverbandes (BWTV) seine Position als Präsident nach nicht ganz vier Jahren Amtszeit aufgeben müssen. Auf Antrag der drei Mitgliedervereine Tri-Team Heuchelberg, Tria Schramberg und NSU Triathlon Neckarsulm und durch Mehrheitsbeschluss der stimmberechtigten Teilnehmer musste Steinmetz in einer Kampfabstimmung ein Jahr vor Ablauf seiner regulären Amtszeit die Spitzenposition des drittgrößten Landesverbandes der Deutschen Triathlon Union (DTU) räumen.

Steinmetz weigerte sich auf der Sitzung am 7. Dezember 2013 trotz mehrfacher Aufforderung aus der Versammlung freiwillig zurückzutreten. An der sich anschließenden Diskussion mit zahlreichen Wortmeldungen beteiligten sich viele Vereinsvertreter, unter ihnen auch der bekannte Sportrechtler Michael Lehner. Die hauptsächlichen Kritikpunkte behandelten den Komplex von Corporate Governance und Compliance. Zusammengefasst: hypothetische oder tatsächlich existierende Interessenskonflikte, die schon kurz nach Amtsantritt vor vier Jahren erstmalig offensichtlich wurden.
Exemplarisch sei auf aktive Teilnahme an und Führung von Arbeitsgruppen verwiesen, die Änderungen der Ordnungen und Gebührenzahlungen erarbeiteten. Wesentliche Entlastung erfuhren durch die Änderungen auch die Abgaben für (große) Veranstalter, zu denen sich Steinmetz als größter Event selbst zählen musste. In jüngerer Vergangenheit, auch im Jahr 2013, waren diese Arbeitsgruppen Kritik seitens diverser Landespräsidenten ausgesetzt, weil der angenommene Arbeitsauftrag oftmals eine Eigendynamik entwickelte. Eine fundierte demokratische Prüfung und Mitbestimmung der Landesverbände, sowie eine Reaktion in angemessenen Zeitfenstern waren deutlich erschwert.

Steinmetz, derzeit noch stellvertretender Sprecher der Landesverbände der Deutschen Triathlon Union (DTU) unterlag mit etwa 60 Prozent Gegenstimmen (119 zu 83 Stimmen). Die Verweigerung eines freiwilligen Rücktritts mag dem Umstand geschuldet sein, das er in einem Interview explizit das Interesse seines Arbeitgebers an einem weiteren Verbleib im Ehrenamt bekräftigt hatte.

Ein neuer BWTV-Präsident muss im neuen Jahr, in spätestens 6 Wochen im Rahmen eines Außerordentlichen Verbandstages gewählt werden. Bis dahin führen die Vizepräsidenten die Geschäfte kommissarisch. Im Jahr 2014 werden jedoch auch die Positionen zweier Vizepräsidenten und damit des geschäftsführenden Präsidiums vakant. Die bisherigen Vizepräsidenten Oliver Schotte (Tübingen) und Paul Drehmann (Wiesloch) stellen ihr Amt zu diesem Zeitpunkt zur Verfügung.

Der BWTV ist trotz des anstehenden Wechsels an der Verbandsspitze grundsätzlich gut aufgestellt:
Sportlich und finanziell ist der Verband derzeit sehr gut aufgestellt. Der BWTV stellt den größten Athletenanteil im Bundesnachwuchskader und erfüllt mit seinem Landesstützpunkt damit die formalen Voraussetzungen um zum Bundesnachwuchsstützpunkt ernannt werden zu können. Finanziell wird der Verband in 2013 wohl mit einem leichten Plus abschließen, was allerdings auch notwendig ist, um die anstehenden Aufgaben, insbesondere im Nachwuchsbereich stemmen zu können. Der Haushaltsplan 2014, der ein Volumen von gut 680.000 Euro hat, wurde einstimmig verabschiedet.
Steinmetz selbst ist seit 1. November 2013 als Geschäftsführer der IRONMAN Germany GmbH (ehemals Xdream Sports & Events GmbH) für alle IRONMAN Triathlons der World Triathlon Corporation (WTC) in Deutschland zuständig. Im Zuge des Verkaufs seiner Kraichgau Sports UG an seinen neuen Arbeitgeber besteht nach aktuellem Sachstand rechtlicher Klärungsbedarf bezüglich des Status' verschiedener Triathlonevents unterschiedlicher Streckenlängen auf Rügen und im Kraichgau selbst. [1-3]

Zwischenzeitlich haben sich die beiden Vizepräsidenten Oliver Schotte und Paul Drehmann auf der offiziellen Facebook-Fanpage zur Wort gemeldet und ihre individuelle, subjektive Sicht der Dinge dargestellt:

Zunächst die Stellungnahme von Oliver Schotte:


Als vor 4 Jahren Susanne Mortier zurückgetreten ist, war es äußerst schwierig, einen Nachfolger zu finden. Das gleiche Problem bestand dauerhaft für alle weitere Posten im Präsidium des BWTV. 
Björn Steinmetz kannte ich damals nur als Veranstalter der Challenge Kraichgau und heftigen Kritiker des BWTV. Wir im Präsidium waren damals mit ihm als zukünftigen Präsident sehr skeptisch. Diese Skepsis war für mich der Hauptgrund, Vize Präsident zu werden. 
Björn Steinmetz erwies sich allerdings sehr schnell als Macher und Visionär, der den nötigen Mut hatte, auch unangenehme Dinge anzugehen. 
So konnte der Verband auf hauptamtliche Beine gestellt werden, was sich für die Zukunft als extrem wichtig erweisen wird. Andere Verbände sind da längst noch nicht so weit. 
Auf die Erfolge im Nachwuchsbereich und dem Stützpunkt in Freiburg, LBS Cup Triathlon Liga, Homepage, CI des Verbandes, Abgabenreform und viele optimierte Abläufe will ich nicht näher eingehen, weil es sonst den Rahmen dieser Stellungnahme übersteigt. 
Immer wieder störend waren Unterstellungen von persönlicher Begünstigung, Mauscheleien und mafiösen Strukturen. Auch von Personen, die nun Björn Steinmetz abgewählt haben. Wenn persönliche E-Mails in Foren landen, dann ist eine Grenze für ein Ehrenamt erreicht. 
Als nun bekannt wurde, dass Björn Steinmetz zur WTC wechselt, war auch ich irritiert. Ob nun diese Position mit dem Amt des Präsidenten kollidiert – und das dann im Gegensatz zur Vergangenheit – war noch nicht abzusehen. 
Da wir im Präsidium aber auch eine Kontrollfunktion haben und Björn Steinmetz nichts alleine entscheidet, sahen wir keinen unmittelbaren Handlungsbedarf. 
Das Misstrauensvotum von Tri-Team Heuchelberg, Tria Schramberg und NSU Triathlon Neckarsulm, die Art und Weise das vorzutragen und schließlich die alternativlose Abwahl von Björn Steinmetz sind nun Gründe, mein Amt mit der Wahl eines neuen Präsidenten niederzulegen. 
Dabei handelt es sich nicht, wie mir vorgeworfen wurde, um „Niebelungentreue“. 
Es ist einfach sehr enttäuschend und frustrierend, dass sich niemand vor dem Verbandstag gemeldet hat, um sich zu informieren. Unsere Meinungen waren nicht wichtig. Und noch schlimmer, es wird uns auf unerträgliche und respektlose Art und Weise wiederholt Gemauschel und persönliche Begünstigung vorgeworfen. Weiter sind viele der Vereine, die uns unterstützen und unsere Arbeit schätzen trotz dem Ernst der Lage der Sitzung ferngeblieben. 
Ob es den Gegnern von Björn Steinmetz lediglich um die Abwahl von ihm ging, wird sich nun zeigen. Der Verdacht liegt nahe, sonst hätten die oben Genannten mit dem BWTV über eine Fortführung der Arbeit gesprochen. Jedenfalls ist es nun ganz besonders an ihnen, ein neues und ebenso schlagkräftiges Präsidium auf die Beine zu stellen. 
Die Kritik an einer Sache ist immer nur so gut, wie die bessere Alternative.
Wünschenswert ist es aber auch, dass sich jeder Triathlet des BWTV Gedanken macht, wie und mit wem die erfolgreiche Arbeit fortgesetzt werden kann. 
Ansonsten ist die Zukunft unserer geschätzten hauptamtlichen Mitarbeiter, Trainer und ehrenamtlichen Kollegen stark gefährdet. Was alles mit daran hängt, das kann sich hoffentlich jeder denken und vorstellen. 
Ich wünsche dem BWTV alles Gute für die Zukunft und bedanke mich bei allen, die uns in den letzten 5 Jahren unterstützt haben. 
Euer Oliver Schotte


Ergänzend dazu die Stellungnahme von Paul Drehmann:


Wenn man sich auf einen Verbandstag vorbereitet, befasst man sich sehr interessiert mit den Themen, die an diesem Tag behandelt werden. Eingereichte Anträge werden studiert und damit verbundene Szenarien werden durchdacht. Natürlich ist einem bewusst, dass Themen, Punkte oder Zahlen sehr detailliert und kritisch hinterfragt werden können, und so lang es der eigentlichen Sache des Sports dient, begrüße ich dieses Vorgehen. 
Der Verbandstag hat mir persönlich aber gezeigt, dass es Personen gibt die fachlich und sachlich gestellte Anträge für ihre persönlichen Anliegen benutzen, um gegen Beteilige dementsprechend zu agieren. Das finde ich sehr schade, ja enttäuschend. 
Mir hat die Arbeit im Verband sehr viel Spaß bereitet, ich würde mir wünschen, dass sich viele Kandidaten für die neu zu besetzenden Ämter aufstellen lassen und es schaffen, den Sport am außerordentlichen Verbandstag wieder in den Vordergrund treten zu lassen.
Paul Drehmann

Update: 09.11.2013: Informationen aus dem Bericht des BWTV vom 09.11.2013 zur sportlichen Perspektive und zur Finanzlage wurden ergänzt. [1]

Update: 11.11.2013: Stellungnahmen der beiden Vizepräsidenten vom 11.11.2013 wurden ergänzt. [4]
  1. Baden-wuerttembergischer-triathlonverband.de/news/aktuelle-news/news-details/?tx_ttnews%5Btt_news%5D=553&cHash=424ec06c11f843a9cdf405abc99daa12
  2. Dnf-is-no-option.com/2013/10/bjorn-steinmetz-wechselt-zu-ironman.html
  3. Dnf-is-no-option.com/2013/11/ironman-703-kraichgau-oder-challenge.html
  4. Facebook.com/pages/Baden-Württembergischer-Triathlonverband/185607134725

Montag, 2. Dezember 2013

NRWTV: Verband mit Bilanzeinbruch durch Rechtsstreitigkeiten, Stephan Biermann folgt Sonja Oberem in Spitzenposition

Zwölf Tage vor dem Verbandstag in Duisburg ließ Präsidentin Sonja Oberem kurz und knapp verkünden, nicht mehr zur Wahl zu stehen. Während ihrer nur zweijährigen Amtszeit war der gesamte Vorstand des größten deutschen Landesverbandes extremen von Außen eingetragenen Belastungen ausgesetzt.

Oberem gilt oder galt als mögliche Nachfolgerin für das Amt der Präsidentin der Deutschen Triathlon Union (DTU). Sie könnte Dr. Martin Engelhardt bereits bei einer der kommenden Wahlen nachfolgen, sieht sich selbst derzeit nicht als mögliche Kandidatin. Kategorisch ausgeschlossen ist eine spätere Führungsrolle indessen auch nicht: "im Moment stehe ich aus familiären und beruflichen Gründen sicherlich nicht zur Verfügung. Ich halte Martin Engelhardt nach wie vor für die beste Wahl. Es gibt nur ganz wenige, die den Triathlonsport so gut kennen wie er." [1]

Rechtsstreit mit bundesweiter Signalwirkung

Das vergangene Jahr war geprägt von Belastungen, die vor allem auf die rechtlichen Auseinandersetzungen mit dem Kölner Veranstalter Jeschke & Friends zurückgeführt werden. Die damit verbundenen finanziellen Kosten von ca. 60.000 Euro führten beinah zum Kollaps und damit zur Insolvenz des NRWTV. Seine schiere Größe und strikte Sparmaßnahmen, die auf der anderen Seite aber auch zum de facto-Verlust des Essener Bundesnachwuchsstützpunktes führten, halfen ihm über die Runden. Gegen Ende des Rechtsstreites zog man auch die Gerichte auf seine Seite, denn sowohl das OLG Düsseldorf als auch das Bundeskartellamt entschieden im Sinne des NRWTV und stellten klar, dass auch kommerzielle Veranstalter sich an Regeln und Ordnungen der zuständigen Sportverbände binden müssen. Ein anderslautendes Urteil hätte weitreichende Konsequenzen über die Grenzen des Triathlonsportes hinaus gehabt. So einige privat wirtschaftende Veranstalter, auch die anderer Sportarten, standen in Lauerstellung und hätten die kostenlose Legitimation erhalten, ihre eigenen Regeln aufzustellen und monetäre Abgaben an ihre Verbände zu verweigern. [2-5]

Sport- und Abgabenordnungen allgemeiner Konsens

Dennoch riet die Justiz dem Landesverband, die Details mit kommerziellen Veranstaltern vertraglich zu regeln. Die Zeit drängte, denn der lange Schwebezustand des Verfahrens soll sogar einige Athleten dazu verleitet haben, sich bei Events von Jeschke & Friends unter falschem Namen anzumelden. Dies um möglichen Sanktionen wie die einer Wettkampfsperre auszuweichen, alle damit etwaig verbundenen versicherungsrechtlichen Konsequenzen ignorierend.
Um sich mit Uwe Jeschke zu einigen, kam das NRWTV-Präsidium diesem - für die nicht gezahlten Veranstaltungsabgaben aus den vergangenen Jahren - sehr weit entgegen. So kam man in letzter Minute überein, denn der Kompromiss wurde erst unmittelbar vor dem Cologne Triathlon Weekend Ende August bekanntgegeben.

Im Gegenzug ist der Veranstalter nun bereit, die Sport- und Abgabenordnungen während der Vertragslaufzeit zu befolgen und die sich daraus ergebenden Startgeldabgaben abzuführen. Der Vertrag gilt jeweils für ein Jahr und kann beiderseitig mit geregelten Fristen gekündigt werden. 

NRWTV bemängelt fehlende Solidarität und Unterstützung

Unterstützung durch den Dachverband erhielt man laut Vizepräsident Klemens Naber, der die Sitzung in Abwesenheit von Sonja Oberem leitete, dabei nur ungenügend. Die DTU habe sich während des gesamten Rechtsstreites allenfalls eingeschränkt nützlich gezeigt, und auch andere Landesverbände präsentierten sich nach Auffassung des NRWTV wenig solidarisch und zum Teil ohne das nötige Sachverständnis. Die aus dem Raum NRW angedrohten Sperren für Sportler, die sich bei nicht genehmigten Veranstaltungen anmelden, konnten in keiner Weise flächendeckend über die Landesgrenzen hinweg durchgesetzt werden, da die Startrechte nur vom lizenzvergebenden Landesverband eingezogen werden können.

Individuelles nicht konformes Regelwerk führt zu paradoxen Situationen

Insbesondere der für die Beobachtung und sportliche Genehmigung der NRW-Veranstaltungen zuständige Technische Leiter Hermann Claßen kritisierte die Auswüchse und Umstände des Konfliktes mit Jeschke & Friends in scharfer Form. Gegenstand waren auch die von Letzterem für seine unter dem Titel Willpower. Races zusammengefassten Ausdauersportveranstaltungen nach eigenem Belieben definierten Wettkampfbestimmungen und die eigens danach ausgebildeten Kampfrichter. Das führte bereits zu einigen Komplikationen, welche derzeit im Einspruch des Profi-Triathleten Till Schramm gegen seine Disqualifikation beim diesjährigen Köln-Triathlon gipfeln. Mit diesem muss sich paradoxerweise nun das Verbandsgericht des NRWTV beschäftigen, welcher gar keine Wettkampfrichter abgestellt hatte - Entscheidung offen. Schramm lässt sich juristisch von Dr. Sebastian John Maynard Longrée, Essen vertreten. [6, 7]

Stephan Biermann in Abwesenheit gewählt

Auch den neuen Ersten Vorsitzenden des NRWTV werden diese Angelegenheiten beschäftigen. Stephan Biermann (45) wurde aufgrund eines länger geplanten Südamerika-Urlaubs in Abwesenheit und mit nur fünf Gegenstimmen gewählt. Aktiver Triathlet ist er seit zehn  Jahren. Sportpolitisch trat er bislang nur bei seinem von ihm seit einiger Zeit geführten Heimatverein in Werne und als Kassenprüfer des NRWTV in Erscheinung. Die übrigen Präsidiumsmitglieder wurden mit teilweise einstimmigen Mehrheiten in ihren Ehrenämtern bestätigt. Udo Biege aus Düren löst Regina Klauke als neuer Schul- und Breitensportbeauftragter ab. Schatzmeister Horst-Dieter Völker präsentierte trotz der widrigen Begleitumstände einen kleinen Überschuss, der auch im laufenden und im kommenden Jahr 2014 ähnlich ausfallen soll. Nachwuchsförderung inklusive Wiederaufbau des Leistungsstützpunktes inbegriffen.

Gastbeitrag von Robert Stabrey, Pulheimer SC mit Ergänzungen von Kai Baumgartner

  1. Nrwtv.de/index.php/aktuelles/172-verbandstag-waehlt-neuen-nrwtv-praesidenten
  2. Dnf-is-no-option.com/2013/11/jeschke-friends-und-nrwtv-einigen-sich.html
  3. Nrwtv.de/index.php/aktuelles/83-mitgliederinformation-einstweilige-verfuegung-von-jeschke-friends-gegen-den-nrwtv-nunmehr-wirkungslos
  4. Nrwtv.de/index.php/aktuelles/92-mitgliederinformation-kartellbeschwerde-von-jeschke-friends-gegen-den-nrwtv-erfolglos
  5. J-and-f.de
  6. Tillschramm.com
  7. Kuemmerlein.de/anwaelte/dr-sebastian-longree.html