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Samstag, 7. September 2013

Who will win IRONMAN 70.3 Las Vegas World Championship?

As always 1-2 days into a main race DNF's picks for the Top 10. Who will win the 2013 IRONMAN 70.3 Las Vegas World Championship? Will it a bike-runner like 2012 champion Sebastian Kienle? A IRONMAN icon and many time World Champion like Craig Alexander? or some new kids in town from ITU racing like Bevan Docherty, Jan Frodeno or Ivan Vasiliev on the men's side? You never know, pretty much the same on the women's side: a spicy mix containing former World Champions (Leanda Cave), bike-runners (Heather Jackson) and ITU veterans (Lisa Nordén, Svenja Bazlen, Annabel Luxford and many more).



TOP 10 Female Predictions

  1. Heather Jackson (2.)
  2. Svenja Bazlen (5.)
  3. Lisa Nordén (8.)
  4. Lisa Hütthaler (6.)
  5. Melissa Hauschildt (1.)
  6. Annabel Luxford (3.)
  7. Catriona Morrison (4.)
  8. Daniela Ryf (6.)
  9. Laura Bennett (DNF?)
  10. Emma-Kate Lidbury (14.)

TOP 10 Male Predictions

  1. Jan Frodeno (DNF in 2nd run lap, according to DTU achilles tendon issues)
  2. Sebastian Kienle (1.)
  3. Bevan Docherty (DNF?)
  4. Kevin Collington (6.)
  5. Craig Alexander (19.)
  6. Timothy O'Donnell (8.)
  7. Ruedi Wild (11.)
  8. Greg Bennett (20.)
  9. Boris Stein (15.)
  10. Andy Potts (4.)

Mittwoch, 19. Juni 2013

Interview Frank Bertling, Vice President National Events der Upsolut Sports AG: „Frodo ist wie ein Überraschungsei. Man weiß nie was drin ist.“

Frank Bertling ist als Geschäftsführer der Upsolut Event GmbH und Vice President National Events der Upsolut Sports AG verantwortlich für den World Triathlon Series Triathlon von Hamburg. Upsolut ist als hundertprozentige Tochter der französischen Lagardère Gruppe auch in anderen Ausdauersportarten aktiv. Wenige Wochen vor dem Hamburg Triathlon 2013 konnte DNF-is-no-option.com über Hamburg, Triathlon und Ausdauersport sprechen und insbesondere wichtige Aspekte wie die Bewegtbildvermarktung diskutieren.
Frank Bertling, Vice President National Events der Upsolut AG sieht in den Sprint- und Staffelformaten  für den Triathlon viel Potential. Photo: Upsolut

DNF-is-no-option.com (3athlon.org): Herr Bertling es ist einige Zeit ins Land gezogen, seitdem der ehemalige Präsident der Deutschen Triathlon Union (DTU), Dr. Klaus Müller-Ott gemeinsam mit Upsolut eine Vision verfolgte und diese erfolgreich umsetzen konnte. Können Sie unseren Lesern kurz umreißen, wie es zu der Idee kam und welche Herausforderungen vor dem Premierenjahr auf Veranstalter und Verband warteten? 

Frank Bertling: Ich bin dankbar für diese Frage. Weil es tatsächlich Klaus Müller-Ott war, der den Triathlon nach Hamburg geholt hat. 2001 hat Detlef Kühnel uns zusammengebracht und vorgestellt. Beschlossen wurde das Projekt dann im Sommer 2001, rund ein Jahr vor der Premiere. Die Idee lag bereits hier in Hamburg, jedoch ist wegen der Komplexität der Umsetzung keiner herangegangen.

Man muss wissen, dass zu Zeiten des ITU-Präsidenten Les McDonald die deutsche Reputation wegen ihrer Oppositionshaltung am Boden lag. Klaus Müller-Ott war letztlich derjenige der den World Cup Status entgegen allen politischen Tendenzen und Verwerfungen zwischen International Triathlon Union und DTU nach Hamburg geholt hat. Klaus Müller-Ott hat sich dagegen gestemmt und im Grunde dafür gesorgt, dass der deutsche Triathlonsport international wieder in Erscheinung treten konnte. Schließlich gelang ihm sogar die Weltmeisterschaften 2007 nach Deutschland zu bringen. Er hat die Entwicklung bewegt, die WM ins eigene Land geholt und im Kielwasser Daniel Unger und Jan Frodeno heranreifen lassen. Unter seine Ägidie fallen zahlreiche wichtige Impulse, von denen auch wir sehr profitiert haben.

DNF: Die DTU hat zwischen 2008 und 2011 einige Jahre mit internen Turbulenzen und Scharmützeln in der Personalpolitik hinter sich. Wie bewerten Sie die aktuelle Entwicklung? Wie ist das Verhältnis mit der ITU? In welchen Bereichen werden sich die Verbände weiter entwickeln müssen?

Frank Bertling: Alles was man sich auf Verbandsseite mühsam aufgebaut hat, ist im Handstreich vernichtet worden. Die aufgebaute internationale Reputation als Verband war verloren und die DTU konnte sich durch die verlorenen Jahre nicht weiterentwickeln. Dies ist umso erschreckender, weil nach Abschluss aller Verfahren gegen Klaus Müller-Ott im Grunde kein Vorwurf haltbar war. Wenn man ihm einen Vorwurf unterstellen möchte, ist es die unzureichende interne Verbandskommunikation, die aber erfahrungsgemäß nicht immer ganz einfach ist. Wir sind aktuell froh, dass wieder Ruhe eingekehrt ist und die DTU die Arbeit wieder aufgenommen hat.

Unser Verhältnis zur ITU ist hervorragend. Wir arbeiten mit allen Stakeholdern sehr eng und  vertrauensvoll zusammen. Das Verhältnis ist klasse.

In Deutschland haben die Verbände ein Struktur- und Finanzierungsproblem. Dies gilt für kleine Dachverbände aber auch Landesverbände. Besonders kleinere Verbände wie die Triathlon-Landesverbände, müssen Synergien zusammenziehen. Wir benötigen Hauptamtlichkeit. Ziel sollten die von Ihnen vor Jahren vorgeschlagenen Verwaltungseinheiten sein. Eine Region „Nord“ macht für uns wirklich Sinn. Der Radsportverband hat ganz ähnliche Probleme. Vielleicht muss man über die Sportartgrenzen hinweg gehen. Natürlich stehen dem viele Hindernisse im Wege. Die Verbände müssen sich aber weiterentwickeln, weil das Ehrenamt auf der einen Seite mehr und mehr zurück geht und auf der anderen Seite der Sport immer professioneller wird

Die Finanzierung muss grundsätzlich vom DOSB und Innenministerium neu aufgestellt werden. Der gesamte Bereich des Marketings und Sponsorings hat sich sehr professionalisiert. „Holt euch Sponsoren zur Verbandsfinanzierung“ hört sich immer sehr leicht an. Es ist aber ziemlich schwer. Verbände können oftmals keine qualitativ ausreichenden Angebote mehr formulieren, weil ihnen die Werkzeuge im Vorfeld bereits fehlen. Alleine die zugrundliegende Marktforschung sprengt oftmals den Rahmen, um erfolgreich einen Sponsor zu pitchen. Ein Teufelkreislauf.

DNF: Welche Kosten kamen für den erfolgreichen Pitch des Welt Cup Standorts Hamburg auf Upsolut zu?

Frank Berling: Wir waren in den glücklichen Lage durch die solide Vorarbeiten auf ein gemeinsames Budget der Stadt Hamburg und anderer Träger zugreifen zu können. Mit der ITU haben wir zudem ein Lizenzierungswesen gemeinsam entwickelt. Das funktioniert in der Regel ganz gut. Schwierig ist nach wie vor das Kommunikationsfeld ITU, DTU und genehmigender Landesverband. Alle haben unterschiedliche, gelegentlich widersprüchliche Ansprüche an uns. Wir sind nicht in der Lage mit allen drei Parteien zu sprechen und zu verhandeln. Die Verbände müssen sich besser aufstellen, abstimmen und mit einer Stimme sprechen.

DNF: Hamburg ist der weltgrößte Triathlon. Wie viele Teilnehmer haben 2013 gemeldet? Gibt es Präferenzen oder Trends bei den Distanzen?

Frank Bertling: 2013 können wir 8.500 Einzelstarter und 1.500 Staffelteilnehmer, verteilt auf 500 Staffeln zählen.

Bei uns ist in den letzten Jahren für den Sprint eine höhere Nachfrage erkennbar. Er ist auch schneller ausverkauft. Wir haben einen ganz klaren Wechsel in der Athletenhistorie. Nach 1-2 Sprint-Triathlons wechseln viele Triathleten zur olympischen Distanz. Das können wir ganz gut verfolgen. Um einen Richtwert zu geben: 25% beträgt die Umsteigerquote in den letzten Jahren etwa. Ich glaube es wäre sehr interessant zu sehen, wer von unseren Events erfolgreich auf die Mittel- und Langdistanz geht. Wir leisten hier quasi Aufbauarbeit für WTC und Challenge.

Ein klarer Trend und das Erfolgsgeheimnis von Hamburg ist unser Fokus auf Rookies. Jedes Jahr zählen wir 2.000-3.000 neue Teilnehmer, die den Zyklus neu beginnen. Wir können auch durch unsere anderen Aktivitäten viele Ausdauersportler beobachten, die alles machen. Sie nehmen an den Vattenfall Cyclassics und dem Hamburg Triathlon teil.

DNF: 2013 wird in Hamburg im Rahmen des Elite-Triathlons der ITU erstmalig das ansprechende und spannende Staffelformat ausgetragen. Bei dem jeweils zwei Frauen und Männer auf Ultra-Sprint Distanzen alternierend starten. Wie wichtig sind Innovationen bei der Präsenz von Streckenformaten und wo sehen Sie global betrachtet traditionelle und klassische Strecken bis hin zur Langdistanz?

Frank Bertling: Die Staffel ist hochinteressant. Ein sehr gutes und spannendes Fernsehformat. Dies hat man im vergangenen Jahr gesehen. Die Aussage gilt auch für die Einzelwertung im Sprint. Die Sprintdistanzen sind mit  ihrer Dauer von 45 bis 60 Minuten extrem gute Fernsehformate. Sie sind sehr kurzweilig, schnell und spannend.

Für die Zukunft im Auge behalten und aufpassen muss der Triathlon, dass man nicht zu kompliziert wird. Triathlon ist eine junge Sportart, man kann noch viel probieren. Allerdings darf man nicht vergessen Sportler, Zuschauer, Medien und Sponsoren mitzunehmen. Wenn wir mit vielen Marketingverantwortlichen zusammenkommen, müssen wir etwas mehr Sätze aufbringen, um die Sportart zu erklären. Viele Entscheider sind davor nicht mit Triathlon und seinen zahlreichen Formaten in Berührung gekommen.

Klar gibt es viele tolle Ideen. Am Ende des Tages muss man sie organisieren und vermarkten können. Wenn man Rookies bekommen möchte, muss man die Barrieren senken, den Einstieg erleichtern. Die Regeln simpel halten. Teilnehmer nehmen einiges auf sich, wenn der erste Triathlon im Kalender markiert ist. Hier müssen alle Beteiligten mehr Dienstleister sein.

DNF: Die ITU folgt mit ihrer World Championship Series (WCS) dem Konzept der World Triathlon Corporation (WTC) neben einem Elite-Rennen große Startfelder von Altersklassen-Triathleten aufzustellen. Wie wichtig ist dieser Baustein, der den Hamburg Triathlon z. B. vom wirtschaftlich extrem erfolgreichen Biathlon World Cup mit seinen ausschließlich kleinen Elite-Feldern unterscheidet.

Frank Bertling: Das Zusammenbringen von Profis und Amateuren an einem Renntag, auf quasi eine Strecke an einem attraktiven Ort ist das Grundkonzept. Von Stimmung und Atmosphäre ist Ausdauersport kaum zu toppen. Ausdauersportveranstaltungen sind einmalig auf der Welt. Die Community wird aktuell stark vergrößert. Viele bringen ihre Familien zum Wettkampf mit. Samstag sind alleine 4.500 Personen auf der Strecke. Diese schauen sich dann natürlich mit ihren Familien auch die Elite-Rennen an. Das sorgt für fachkundige Zuschauer an den Strecken. Wobei sich der Hamburger gerne begeistern lässt und nach über 10 Jahren Hamburg Triathlon sehr fachkundig ist. Ich find' es klasse, dass Teilnehmer aus dem Ausland genauso bejubelt werden wie deutsche Triathleten. Dies ist ein unheimlich fairer Zug.

DNF: Lassen sich Biathlon und Triathlon vergleichen? Mit der Kombination der Ausdauerdisziplin Langlauf und dem Schießen gelingt es Biathlon immer wieder den Rhythmus in der Führung zu brechen und die Spannung aufrechtzuerhalten.

Frank Bertling: Es lässt sich tatsächlich ganz gut vergleichen. Der Durchbruch im Biathlon kam durch die Konzeption eines attraktiven Fernsehformats. Dazu kamen national erfolgreiche Athleten.
Der Staffeltriathlon ist als kompaktes Fernsehformat vergleichbar. Auf kurzen Runden lässt sich eine gute Verfolgung vor Ort realisieren. Spannung und Action wechseln sich ständig ab. Am Ende des Tages benötigt man aber auch gute Athleten als Schlüssel zum Erfolg. So sehe ich das im Triathlon auch. Darum ist die Arbeit der Verbände im Spitzensport sehr wichtig.

DNF: Die ITU macht mit ihrem Internet-Broadcasting und der Vermarktung der TV-Rechte einen ziemlich guten Job. Triathlon ist Randsportart, wird aber zunehmend platziert. Dennoch ist die Konkurrenz mit den allfällig in Deutschland dominanten Sportarten sehr groß. Die Liveübertragung des WCS Triathlons von Madrid fiel mit der Triple-Feier des FC Bayern zusammen. Aus der geplanten Übertragung wurde leider ein ca. 5 Minuten langer Einspieler, während man zuvor über Stunden Bilder des Umzugs und vom Balkon des Rathauses im Regen aus der bayerischen Hauptstadt sah. Wo steht die Bewegtbild-Vermarktung im ITU Triathlon?

Frank Bertling: Die öffentlich-rechtlichen Sender können sich dem Quotendruck leider nicht entziehen. Da kann man nicht viel machen. Wir sind über die aktuellen Übertragungszeiten froh und durchaus präsent. Es gilt aber auch hier, dass die Hausaufgaben gemacht werden müssen.

Welche Möglichkeiten bieten die digitalen Medien? Eine unserer Kernfragen der letzten Jahre. Zum Stück machen uns die neuen digitalen Kanäle ein wenig unabhängiger. Zum Beispiel sehe ich definitiv in der Zukunft einen eigenen Kanal. Die Produktionskosten im Ausdauersport, wie unserem Triathlon sind extrem hoch. 120.000 Euro muss man beim Einsatz von Hubschrauber und drahtloser Technik für 2 Stunden Triathlon einplanen. Das ist der Benchmark den man refinanzieren muss. Ein Dart-Turnier dagegen ist für 5.000 Euro umsetzbar.

Wir sind mit der Verbreitung im TV aktuell sehr zufrieden. Die World Triathlon Series erreichte 2012 160 Länder und summierte 1.045 Stunden Fernsehberichterstattung. Konkret sind dies  5,5 Milliarden TV-Kontaktzeiten. Das ist schon mal eine Hausmarke. Die WCS konnte die letzten Jahre den Wert immer steigern. Das internationale Interesse wächst stetig.

Auch IPTV eröffnet neue Chancen und Möglichkeiten. Die Triathlon - und Ausdauercommunity wächst und wächst. Es werden recht gute wirtschaftliche Ergebnisse erzielt. Selbst im Radsport, nach den ganzen Dopingskandalen der letzten 5-6 Jahre haben wir das nicht wirklich gespürt. Im reinen Profiradsport mag dies anders sein, aber mit unserer Kombination aus Breiten- und Spitzensport können wir andere Angebote unterbreiten.

Zudem stellen wir eine Tendenz bei unseren Sponsoren fest, dass viel zielgerichteter geworben und unterstützt wird. Wir haben durch unsere Formate im Triathlon, Laufen und Radsport wenig Streuverluste. Die Zielgruppe kann  sehr präzise definiert werden. Key Performance Indikatoren (KPI) zur Leistungsmessung von Kampagnen haben bei unseren Kunden eine sehr viel höhere Relevanz als vor 5 Jahren bei der Bewertung und Gewichtung der Unternehmensaktivitäten.

Natürlich ist der „Season Pass“ für Triathlonlive.tv kontraproduktiv zum frei verfügbaren Fernsehen. Das wissen wir. Wir bauen aber beides auf und entscheiden dann, wo die Reise hingeht. Noch kann keiner genau sagen, wann es Zeit wird, umzustellen. Die NBA in den USA verzichtet hierzulande schon seit Jahren auf Freies Fernsehen. Die kommen mit den Saisonpässen sehr gut klar.

DNF: Nach aktuellem Meldestand hat einer der Brownlee Brüder und damit ein Medaillengewinner der Olympischen Spiele von London seinen Start bestätigt. Wie wichtig sind die großen Namen? Wie wichtig war z.B. der Heimsieg eines Daniel Ungers im Jahr 2007. Offensichtlich hat er die Sichtbarkeit des Olympischen Triathlons in Deutschland in der Szene und auch über die Sportartgrenzen hinweg deutlich erhöht. Daniel Unger konnte seine Weltklasse durch ein solides, wenn auch nicht perfektes Rennen bei den Olympischen Spielen von Beijing mit seinem Top 10 Platz bestätigen. Der Tag gehörte allerdings Jan Frodeno, der in einem packenden Zielspurt den Coup landete und Olympiasieger wurde.

Jan Frodeno, der spätestens 2015 auf die längeren Distanzen wechseln möchte, hat nach zwei durchwachsenen Jahren mit Verletzungspech seinen ersten Saisonhöhepunkt klar auf Hamburg gelegt. Wie bewerten Sie seine Chancen?

Frank Bertling: Namen sind wichtig. Man sieht es in England. Um Triathlon ist ein unglaublicher Hype entstanden. Große Werbeplakate mit den Brownlees sind überall zu finden. Lisa Nordén in Schweden ist vergleichbar. Auch in Deutschland ist derzeit noch im Fernsehen der sportliche Erfolg der Nationalkaderathleten extrem wichtig. Die Berichte sind noch sehr personbezogen. Deshalb sind große Namen wichtig.

Frodo ist wie ein Überraschungsei. Man weiß nie was drin ist. Er ist ein sensibler und sehr ehrgeiziger Athlet. Ich würde ihm den Erfolg in Hamburg von Herzen gönnen.

DNF: Gibt es eine Favoritin für die Entscheidung im Damenrennen?

Frank Bertling: Für mich im Moment Anne Haug. Auch ihr gönne ich den großen Coup vor heimischer Kulisse zu gewinnen.

DNF: Triathlon besteht aus Schwimmen, Radfahren und Laufen. Upsolut ist auch in diesen Bereichen aktiv. Anfang Juni fand der Velothon Berlin mit tausenden Teilnehmern statt. Erzählen Sie unseren Lesern über die anderen Aktivitäten im Ausdauersport.

Frank Bertling: Traditionell sind wir dem Ausdauersport zu zurechnen. Neben dem Radsport sind wir auch seit 2 Jahren Generaldienstleiser für den Hamburg Marathon. Zukünftig werden wir den Bereich des Schwimmens stärker angehen. Jede der Ausdauersportarten hat ihre Spezifika. Im Grunde genommen sehen wir dann doch sehr viele Synergien bei Upsolut - insbesondere im Vermarktungs-, Logistik-, Presse- und PR-Bereich.

DNF: Sowohl World Triathlon Corporation, wie auch die TEAMChallenge haben in Interviews durch ihre Geschäftsführer Andrew Messick und Felix Walchshöfer bestätigt, dass derzeit keine Aktivitäten im Bereich Laufsport oder Radsport geplant sind. Konkret haben wir auch die stärkere Integration dieser Disziplinen in ein langes Wochenende im Rahmen eines Triathlon-Festivals angeregt. Wie sehen Sie die Chancen für diese Idee oder kannibalisiert sich dann der Markt, weil sich Teilnehmer entweder für den Lauf, Triathlon oder das Radrennen entscheiden müssten?

Frank Bertling: Wir haben festgestellt, dass die Teilnehmer eine eigene Ansprache wünschen. Verschiedene Sportarten sind schwierig zu kommunizieren. Die Stadt Hamburg hat im letzten Jahr ein Event mit Rudern und Schwimmen auf der Alster versucht. Das hat nicht besonders gut funktioniert. Ich sehe bei verschiedenen integrierten Sportarten nur den Kostenblock bei hohem Risiko, der auf mich zurollt.

Ich halte es auch logistisch für schwierig. Die „Eventisierung“ in Großstädten hat stark zugenommen. Längere Sperrzeiten von Straßen und öffentlichem Raum oder Genehmigungen für neue Events sind schwer zu bekommen. Der IRONMAN 70.3 Berlin ist ein gutes Beispiel. Die Spielräume werden enger. Dieses sind zumindest unsere Erfahrungen in Hamburg und Berlin und auch teilweise im Ausland. Die Erweiterung auf plattem Land ist da wohl schon um einiges einfacher.

DNF: Als Tochter eines multinationalen Sportkonzerns ist Internationalisierung immer auf der Tagesordnung. Gibt es konkret fortgeschrittene und kommunikationsreife Pläne in weiteren Ländern oder Kontinenten aufzutreten?

Frank Bertling: Aktuell sind wir im Triathlon in Auckland, Stockholm, San Diego, Chicago und Kitzbühel aktiv. Stockholm verzeichnete im ersten Jahr rund 2.000 Starter, dieses Jahr sind wir schon bei 4.000 Teilnehmern.

Wir setzen klar auf attraktive Orte. Hamburg ist der Benchmark-Event. In Stockholm haben wir den besten Platz vor dem Königspalast. Wir gehen in die großen Städte, um die besten Plätze zu belegen. Hier liegt unsere Kernkompetenz.

DNF: Wenn Sie einen Wunsch frei haben. Was wünschen Sie sich für das Wettkampfwochenende?

Frank Bertling: Ganz vermessen habe ich sogar zwei Wünsche: kein Hamburger Schietwetter und einen Sieg der deutschen Nationalmannschaft in der Gemischten Staffel. Übrigends in ganzer Länge Live in der ARD.

DNF: Wir bedanken uns für das ausführliche Gespräch und wünschen alle Startern, Helfern und Zuschauern beim Hamburg Triathlon gutes Wetter und viel Erfolg.

Dienstag, 30. Oktober 2012

Olympiasiegerin Nicola Spirig und Reto Hug erwarten Nachwuchs

Olympiasiegerin Nicola Spirig aus der Schweiz und Triathlet Reto Hug erwarten Nachwuchs und werden heiraten. Das Geschlecht des Kindes ist den Eltern selbst noch nicht bekannt. Dies gaben beide Triathleten im Rahmen einer Pressekonferenz am 30. Oktober gegen 10:30 Uhr bekannt.
Nicola Spirig (SUI) im Hintergrund gewann mit wenigen Milimetern Vorsprung die Goldmedaille im olympischen Triathlon. Lisa Nordén (SWE)  wurde Zweite. Photo: IOC - LOCOG - Omega Timing
Für die 30-jährige Goldmedaillengewinnerin von London, die sich im Photofinish knapp gegen die Schwedin Lisa Nordén durchsetzen konnte, bedeuteten Heirat mit ihrem 37-jährigem Lebenspartner Reto Hug und Schwangerschaft nicht das sportliche Aus. In den kommenden zwei Jahren will die Juristin den Fokus auf das Lauftraining für die Langstrecke, etwa die Marathon Europameisterschaften 2014 in Zürich legen, um dann die olympischen Spiele von Rio in Angriff zu nehmen. Ob im ITU-Triathlon oder im Marathon steht noch ein wenig in den Sternen:

"Ich werde meine sportliche Karriere –mit Fernziel Olympische Spiele Rio 2016 - definitiv fortsetzen. In den nächsten zwei Jahren möchte ich nicht wie bisher an den internationalen Rennen der WM-Serie auf der Olympischen Distanz starten, sondern den Fokus mehr auf die nationalen Triathlon Rennen richten und einen Schwerpunkt im Laufen setzen. Die Leichtathletik EM 2014 in Zürich stellt dafür eine ideales Zwischenziel auf dem Weg nach Rio 2016 dar. Es reizt mich zu sehen, wie weit ich im Laufen kommen kann und ich bin überzeugt, dass mir diese zwischenzeitliche Fokussierung aufs Laufen später auch im Triathlon helfen wird. Ob ich mich auf 5000m oder auf den Marathon konzentrieren will, wird sich im Verlaufe des Trainings zeigen. Rennen auf der Langdistanz sind möglich, jedoch nicht in der ersten Hälfte der nächsten Saison."

Physiotherapeut Hug hingegen, dessen Karrierehöhepunkte der Gewinn der Europameisterschaft im Triathlon von Funchal (1999) und der Sieg des ITU World Cups von Lausanne (2001) waren, beendet seine sportliche Karriere zum Saisonende. Er wurde, wie auch Spirig von Trainer Brett Sutton betreut und soll beim Fachverband Swiss Triathlon Aufgaben übernehmen:

"Im Training werde ich weiterhin mit Brett Sutton zusammen arbeiten, der bereits mehrere Athletinnen mit Kindern in seiner Gruppe trainiert. So werde ich auch in Zukunft von einem optimalen Umfeld profitieren können und freue mich auf die neuen Herausforderungen und die Fortführung meiner Karriere" führt Spirig abschließend aus.

Samstag, 20. Oktober 2012

Anne Haug siegt beim Triathlon Grand Final in Auckland und wird WM-Zweite, Anja Knapp Top 12 - „Ich kann es nicht fassen und mir fehlen wirklich die Worte“


Anne Haug hat es geschafft und Deutsche Triathlongeschichte geschrieben. Als erste Deutsche gewann die Münchenerin in Auckland nach 2:10:46 Stunden ein Rennen der World Triathlon Series und als erste Deutsche schaffte sie mit 4340 Punkten eine WM-Medaille: eine silberne. Den Weltmeistertitel sicherte sich Lisa Nordén aus Schweden (4531 Punkte). Auf der Zielgeraden des letzten WM-Rennens 2012 hatte die Münchenerin einen komfortablen Vorsprung, schaute sich noch einmal kurz um, ein Lächeln übermannte sie und freudestrahlend hielt sie das Zielbanner in die Höhe.

Anne Haug ist die erste deutsche Triathletin, die über die olympische Distanz eine WM-Medaille gewinnt. Photo: Petko Beier / DTU
„Ich kann das gar nicht glauben“, rang Haug im Ziel um Fassung. „Mir fehlen wirklich die Worte, ich hätte nicht gedacht, dass ich das schaffen kann heute.“ Sie konnte und entsprechend begeistert war auch das gesamte Team der DTU vor Ort. Etwas unter vor diesem Triumph der 28-Jährigen ging die ebenfalls starke Leistung von Anja Knapp (Dettingen), die Zwölfte wurde. Ein gutes Mannschaftsresultat rundeten Svenja Bazlen (Freiburg) auf Platz 20 und Rebecca Robisch (Saarbrücken) auf Rang 23 ab. Nicht ins Ziel kamen leider Anja Dittmer (Neubrandenburg) und Ricarda Lisk (Waiblingen).

Das Rennen nahm aus deutscher Sicht zunächst den erwartbaren Verlauf. Anja Knapp kam unter den ersten Frauen aus dem Wasser, ebenso wie Svenja Bazlen und Anne Haugs härteste Rivalin im Kampf um eine WM-Medaille Andrea Hewitt aus Neuseeland. Die anderen vier DTU-Damen hatten etwas Rückstand, Haug kam mit 1:08 Minuten Verspätung aus der ersten Wechselzone.

Auf dem Rad bildeten sich zwei größere Gruppen, wobei Bazlen, Dittmer und Robisch gemeinsam mit Anne Haug in der Verfolgung der Führungsgruppe mit allen weiteren Rennfavoritinnen waren. In der dritten Runde setzte Haug dann zu einem Soloritt an die Spitze an, wogegen die Gesamtführende Erin Densham aus Australien das Rennen aufgeben musste, so dass der Medaillenweg für Anne Haug etwas leichter wurde. „Svenja hat mir viel geholfen auf dem Rad und dann habe ich mich stark genug gefühlt, den Rückstand alleine aufzuholen und habe alles auf eine Karte gesetzt.“ Somit ergab sich aus deutscher Sicht folgendes Bild: Anne Haug und Anja Knapp in der 20-köpfigen Spitzengruppe, Bazlen, Dittmer und Robisch in der ersten Verfolgungsgruppe und Lisk im hinteren Feld.

Auf dem schweren Radkurs vergrößerten die Favoritinnen ihren Vorsprung Sekunde um Sekunde, auch durch eine zwischenzeitliche Attacke von Kate McIlroy vor heimischen Publikum, so dass die ersten Athletinnen mit Knapp in der Frontposition mehr als eine Minute vor ihren Konkurrentinnen zum zweiten Mal in die Wechselzone kamen. Während das deutsche Duo schnell wechselte, verlor Hewitt beim Wechsel in die Laufschuhe zunächst 15 Sekunden auf Anne Haug, die sie mit immensem Aufwand schnell wieder zulaufen musste.

Zwölf Frauen inklusive des deutschen Duos Haug und Knapp sowie Nordén und Hewitt setzten sich sofort ein wenig vom Rest des Feldes ab. Bazlen und Robisch arbeiteten zusammen in der Verfolgung und Dittmer musste ihre Teamkolleginnen schnell ziehen lassen und das Rennen gar vorzeitig beenden. Lisk hatte dies schon auf dem Rad tun müssen.

Untypischerweise forcierten die Topläuferinnen das Tempo nicht, sondern setzten alle auf die letzten Kilometer. Als erste erhöhte Haug knapp zwei Kilometer vor dem Ziel ihre Frequenz und schaffte damit schnell einen Vorsprung von einigen Sekunden, den sie bis zum Ziel nicht mehr hergab. Zweite in Auckland wurde Gwen Jorgensen aus den USA vor der Chilenin Barbara Riveros-Diaz.

Das WM-Podium teilte sich Anne Haug mit Lisa Nordén, die am morgen des Renntags noch mit einer leichten Lebensmittelvergiftung im Krankenhaus war, und Andrea Hewitt als Bronzemedaillengewinnerin.

Kurzinterview: Anne Haug Triathlon-Vize-Weltmeisterin 2012 - „Dann habe ich den Kopf ausgeschaltet und bin einfach gelaufen“


Anne Haug hat sich in den Geschichtsbüchern der Deutschen und der Internationalen Triathlon Union verewigt. Mit ihrem Sieg beim letzten WM-Rennen 2012 im neuseeländischen Auckland gelang ihr als erster deutscher Triathletin ein Erfolg bei einem Rennen der WM-Serie. Mit diesem Triumph gewann sie zudem die Weltmeisterschafts-Silbermedaille: ebenfalls ein Novum in der deutschen Triathlongeschichte. Mit einem fulminanten Antritt zwei Kilometer vor dem Ziel ließ sie ihre Konkurrentinnen einfach stehen.

Frage: Hallo Anne Haug, Welch ein Rennen, Glückwunsch zum Sieg und zur WM-Silbermedaille…
Anne Haug: Vielen Dank. Ich kann das noch gar nicht glauben, das ist fantastisch. Ich weiß überhaupt nicht, was ich sagen soll. Ich hätte nicht gedacht, dass das so gut klappen würde heute und ich das alles erreichen kann. Mir fehlen wirklich die Worte.

Frage: Kraft und Puste fehlten Ihnen nicht. Auf dem Rad haben sie sogar alleine eine Lücke zugefahren…
Anne Haug: Wir hatten auf dem Rad einen Rückstand von gut einer Minute, und meine Teamkollegin Svenja Bazlen hat mir sehr geholfen und Verfolgungsarbeit geleistet. In der dritten Runde habe ich mich dann stark genug gefühlt, den Rückstand alleine zuzufahren. Ich habe dann alles auf eine Karte gesetzt und das hat geklappt. Danach konnte ich mich in der Spitzengruppe auch ein wenig erholen.

Frage: Und wie lief es beim Laufen?
Anne Haug: Beim Laufen hatte ich von Beginn an ein gutes Gefühl und habe mir daher überlegt, erst einmal drei Runden mit der Gruppe zu laufen und dann zu schauen, ob ich das Tempo erhöhen kann. Auch das hat funktioniert und ich habe mich absetzen können. Dann habe ich den Kopf ausgeschaltet und bin einfach nur gelaufen.

Donnerstag, 18. Oktober 2012

Großes Finale der ITU WCS Triathlon Serie in Auckland mit Anne Haug: "Ich habe mich auf Schmerzen eingestellt"

Die internationale Triathlonsaison der International Triathlon Union (ITU) endet für die Kurzdistanz-Spezialisten mit dem WM-Finale der World Triathlon Championship Series (WCS) in Auckland (Neuseeland). Sechs deutsche Frauen stehen am Start, wobei der Fokus eindeutig auf Anne Haug aus München gerichtet ist. Die 28-Jährige kann die erste WM-Medaille für eine deutsche Triathletin erringen.
Die Münchenerin Anne Haug kann als erste deutsche Triathletin eine WM-Medaille im Feld der Elite-Damen gewinnen. Photo: Petko Beier / Deutsche Triathlon Union

DTU: Anne Haug im Kampf um die erste WM-Medaille für DTU-Damen, „Ich habe mich auf Schmerzen eingestellt“

Wenn am Samstag um 01:16 Uhr deutscher Zeit 48 Damen in Auckland zum letzten Rennen der Triathlon-WM-Saison 2012 starten werden, bietet sich der Münchenerin Anne Haug eine historische Chance. Sie kann als erste deutsche Triathletin eine WM-Medaille gewinnen. Als aktuell Fünfte der Gesamtwertung ist dafür aber ein Top-Resultat vonnöten. Auf ein solches hoffen natürlich auch die weiteren Starterinnen der Deutschen Triathlon Union. Svenja Bazlen (Freiburg), Anja Dittmer (Neubrandenburg), Anja Knapp (Dettingen), Ricarda Lisk (Waiblingen) und Rebecca Robisch (Saarbrücken) setzen auf eine gute Leistung für einen zufrieden stellenden Jahresabschluss.

„Ich habe mich auf Schmerzen eingestellt“, blickt Anne Haug auf ihr bisher wichtigstes Rennen voraus, in das sie als Gesamtfünfte gehen wird. 3140 Punkte weist ihr Konto auf, einen weniger als das der Neuseeländerin Andrea Hewitt. Da Olympiasiegerin Nicola Spirig (SUI), momentan noch Dritte, nicht antreten wird, läuft es auf ein Duell zwischen Haug und Hewitt, die bereits 2009 und 2011 WM-Edelmetall gewinnen konnte, hinaus. „Natürlich ist die Medaille mein Ziel, aber das wird sehr schwer werden, da Andrea gerade vor heimischen Publikum auch auf das Gesamtpodium will und mit Kate McIlroy und Nicky Samuels sehr starke Teamkolleginnen hat, die ihr helfen werden.“ Um den WM-Sieg kämpfen bei normalem Verlauf Erin Densham (AUS) und die Schwedin Lisa Nordén.

Entgegen kommen könnte Haug der schwere Radkurs zum Saisonfinale, auf dem auch das weitere DTU-Quintett seine Stärken ausspielen und Haug bei der Mission WM-Medaille unterstützen möchte. „Bei den Damen werden wir versuchen, als Team Anne zum Erfolg zu verhelfen, und damit natürlich auch der DTU“, sagt Sportdirektor Wolfgang Thiel.

Anja Knapp und Rebecca Robisch bestreiten dabei ihr erstes WM-Finale im Elitebereich. Knapp hat sich in diesem Jahr auf internationalem Level kontinuierlich gesteigert und Robisch hat ihre Stärken auf dem Rad und beim Laufen. Die Saarbrückerin hat für sich zudem eine ziemlich einfache Renntaktik zurechtgelegt. „Für mich heißt es einfach nur: alles geben und dann schauen, welches Resultat am Ende herauskommt. Aber die Strecke ist hart und wird alles abverlangen.“ Auch Svenja Bazlen hat schon mehrmals bewiesen, dass ihr eine Streckenführung wie die in Neuseeland liegt. Ein gutes Einzelresultat zum Finale 2012 wünschen sich Anja Dittmer und Ricarda Lisk.

Einig sind sich auch alle Athletinnen beim eigentlichen Allerweltsthema „Wetter“, zu dem Robisch die Einschätzung auf den Punkt bringt: „Es wäre wünschenswert dass das Wetter mitspielt. Das würde helfen, da es letzte Woche doch öfter zehn Grad, Regen und Sturm hatte, und auch die Wassertemperatur bei 15 Grad liegt.“

Kurzinterview Anne Haug

Frage: Hallo Anne Haug, das WM-Finale steht an. Wie sind die Laune und die Fitness?
Anne Haug: Die Laune ist gut und meine Fitness ist ebenfalls gut. Das Wetter könnte allerdings etwas besser sein.

Frage: Ihre Vorbereitung haben Sie mit Ihrer Trainingsgruppe auf Hawaii absolviert. Wie liefen die Einheiten?
Anne Haug: Im Großen und Ganzen konnte ich gut trainieren, wenngleich die Bedingungen auf Hawaii rund um den Ironman jetzt nicht ideal sind, da es auf Kona den Alii Drive fürs Laufen und den Highway zum Radfahren gibt, und auf beiden Straßen wimmelt es natürlich von den Hawaii-Startern aller Altersklassen.

Frage: Sie können am Samstag eine Medaille erringen…
Anne Haug: Ja, und natürlich ist die Medaille mein Ziel. Aber das wird sehr schwer werden, da Andrea Hewitt gerade vor heimischen Publikum auch auf das Gesamtpodium will und mit Kate McIlroy und Nicky Samuels sehr starke Teamkolleginnen hat, die sie unterstützen werden.

Frage: Wie werden Sie den Wettkampf angehen und worauf stellen Sie sich ein?
Anne Haug: Ich habe mich auf Schmerzen eingestellt und werde top motiviert an der Startlinie stehen. Ich hoffe auch, es gibt keinen Regen, da dies das Rennen unnötig gefährlich und extrem kalt macht. Aber ich nehme es, wie es kommt, und versuche mir auch vom Wetter keinen Strich durch die Rechnung machen zu lassen.

Frage: Der Radkurs ist sehr schwer. Sehen Sie das als einen Vorteil für Sie an?
Anne Haug: Ja, definitiv. Die Strecke ist sehr technisch und hügelig. Das ist aus meiner Sicht immer gut und jede meiner Konkurrentinnen wird hier ebenfalls ein bisschen leiden müssen.

TV-Tipp

Da lässt es sich im deutschen Spätherbst mit warmem Wochenendwetter doch bestens auf die spannende WM-Entscheidung der Damen vorbereiten, die in der Nacht auf Samstag um 01:16 Uhr beginnt. Livebilder gibt es unter www.triathlonlive.tv. Zudem wird die ARD am Sonntag ab 15:45 Uhr in einer Zusammenfassung von den Elite-Wettkämpfen berichten.

Samstag, 11. August 2012

Kein olympisches Triathlon-Gold für Lisa Nordén, Fehlentscheidung des Schiedsrichters bei Auswertung des Zielphotos

Der gemeinsame Antrag des NOK Schwedens und des Svenska Triathlonforbundet auf Vergabe zweier Goldmedaillen im Olympischen Triathlonfinale der Frauen von London ist von der ad-hoc Division des Court of Arbitration for Sport (CAS) abgelehnt worden. Damit bleiben Medaillenverteilung und Podium weiterhin wie folgt bestehen: Gold für die Schweizer Fahnenträgerin Nicola Spirig, Silber für Lisa Nordén (SWE) und Bronze für Erin Densham (AUS).
Der CAS hat den minimalen Zeitunterschied, der sich aus der Auswertung des Zielphotos ergab in seiner entscheidung letztlich bestätigt. Die Medaillen für Nicola Spirig (SUI) und Lisa Nordén (SWE) bleiben Gold und Silber. Photo: IOC - LOCOG - Omega Timing
Schiedrichterfehler bei Tatsachenentscheidung
Schweden bemängelte im Sprintfinale zwischen Spirig und Nordén eine ungenaue und nicht den Regularien entsprechende Auswertung des Zielphotos. Die Auswertung des Bildes war nötig, da beide Triathletinnen nach 1,5km Schwimmen, 43km Radfahren und 10km Laufen zeitgleich gewertet wurden.

Das Urteil des CAS wird nicht alle Beteiligten zufriedenstellen, letztlich fühlten sie sich aber fair behandelt und akzeptieren es. Grund für die Unzufriedenheit ist eine unbeabsichtigte Abweichung vom ITU-Regelwerk bei der Tatsachenentscheidung des Schiedrichters auf dem Spielfeld während der Auswertung des Zielphotos. Kombiniert mit dem Ausfall der zweiten Kamera auf der anderen - für eine bestmögliche Auswertung entscheidenden linken - Seite des Zielkanals kam die Fehlentscheidung des Schiedsrichters zustande.

Das ITU-Regelwerk definiert als Torso den Bereich des Halsansatzes bis zum Sternum (Brustbein). Der Schiedrichter hatte bei der sich in Rücklage einlaufenden Spirig den Bauchnabel als vordersten Referenzpunkt genommen und damit das Regelwerk falsch ausgelegt. Der eigentliche Torso von Spirig wurde durch Nordén verdeckt.

Field-of-play decision in absence of arbitrariness or bad faith
Der CAS hat die Problematik in seinem Urteil erkannt und im Detail (siehe PDF unten) in der lesenswerten Urteilsbegründung dargestellt. Der Standpunkt aus der Praxis der bisherigen CAS-Rechtssprechung wurde ausführlich dargelegt, warum fehlerhafte aber unbeabsichtigte ("in absence of arbitrariness or bad faith") Tatsachenentscheidungen auf dem Spielfeld ("field-of-play decision") durch Schiedsrichter oder Wettkampfgericht vom CAS nicht revidiert werden.

Entscheidende Passagen aus den Anträgen der Beteiligten und der Begründung

"2.4 It was then discovered that there had been a technical problem with the secondary camera, positioned to the left of the athletes as they crossed the line. This camera is ordinarily used as a backup for photo-finishes[...]"

"2.6 Before the medal ceremony took place, after the Event, a delegation from STF [Svenska Triathlonforbundet] visited the referee and asked to view the photo-finish image. He tool them to the Technicak Delegates' room and allowed them to view it on the monitor. Having had the opportunity to consider it they said they accepted his decision."

"2.7 By letter [...], SNOC [Swedish NOC] filed a protest against the Decision [...] pursuant to Article 12.6 a) of the ITU Competition Rules [...]"

"2.9 NOtwithstanding the failure on the part of the Swedish Athlete and/or STF to appeal the Referee's Decision pursuant to Article 13.2 a)(i), the ITU Executive Board [...] agreed to hear the Applicants' appeal [...]"

"4.2 Rule 6.2 a) provides that, 'an athelte will be juded as 'finsihed', the moment any part of the troso, reaches the perpendicular line extending from the leading edge of the finish line'. A toros is defined in Appendix D to the ITU Competition Rules as the 'section of the body extending frm the base neck to the base of the sternum"

"4.3 [...] Instead of applying the rules it is clear that the referee assessed the finish by refernce to the whole of the upper body and, in particular, the athlete's belly, rather than by refernce to the foremost part of the torso crossing the line."

"4.6 Firstly, there is a long-established line of CAS jurisprudence that the CAS will not review decisions taken on the field-of-play. [...]"

"8.1. having reviewed the photo-finish images, the referee decided that the Swiss Athlete's torso crossed the line first. Because this a field-of-play decision, the CAS will not review it in absence of arbitrariness or bad faith and accordingly, the [CAS] Panel will not seek to review his decision."


"CAS AD HOC DIVISION - DECISION IN THE TRIATHLON CASE

The CAS has denied the application of the Swedish NOC and of the Swedish Triathlon Federation: the medal positions in women’s triathlon are confirmed.

London, 11 August 2012 – The ad hoc Division of the Court of Arbitration for Sport (CAS) has denied the appeal filed by the Swedish NOC and the Swedish Triathlon Federation (STF) against the decision of the International Triathlon Union (ITU) issued on 8 August 2012. The applicants sought to have Lisa Norden ranked in the first place of the women’s triathlon event, ex-aequo with Nicola Spirig (Switzerland). 

The Swedish NOC and the STF considered that the ITU did not comply with its rules because it would not have taken into account the position of the athletes’ torso to establish the ranking. For that reason, the Swedish NOC and STF requested that both athletes be ranked ex-aequo at the first place and that a second gold medal for this event be awarded to Lisa Norden. 

A CAS Panel composed of Mr Stuart McInnes (UK), President, Mr Alan Sullivan (Australia) and Mr Sharad Rao (Kenya) held a hearing yesterday evening from 6pm to 9:30pm. The Swedish NOC, the STF, the ITU and Swiss Olympic were represented. 

The Panel rendered its decision this morning: it denied the application in view of the fact that there was no violation of any ITU rule and that the matter concerned a “field-of-play decision” which, according to long standing CAS jurisprudence, is unable to be reviewed by CAS panels except in the event that there has been arbitrariness or bad faith in arriving at such decision.
Quelle: TAS-CAS.ORG"


Links
PDF: Full decision with the grounds (vollständige Entscheidung mit Begründung)

Freitag, 10. August 2012

Doch Triathlon-Goldmedaille für Schwedin Nordén? Schwedischer Verband zieht vor den Court of Arbitration for Sport.

Im dramatischen Sprint-Finale des Olympischen Triathlons zwischen Nicola Spirig aus der Schweiz und der Schwedin Lisa Nordén mit der offiziellen Zeit von 1:59:48 Stunden bahnt sich ein juristisches Nachspiel an. Der Triathlonverband Schwedens (Svenska Triathlonforbundet) hatte bereits am Wettkampftag das Schiedsgericht der International Triathlon Union (ITU) angerufen. Grund des Einspruchs gegen die erhaltene Silbermedaille seien nicht korrekt vorgenommene Auswertungen des Zielfotos, bei dem Spirig mit rund 2/1000 Vorsprung auf Platz 1 gewertet wurde.
Nicola Spirig (SUI) im Hintergrund hatte 2 Tausendstel einer Sekunde entscheidende Körperteile vor Lisa Nordén (SWE) im Ziel. So zumindest die erste Auswertung am Renntag des Olympischen Triathlons. Möglicherweise sieht dies der CAS noch vor dem Wochenende etwas anders. Photo: IOC - LOCOG - Omega Timing
Am Donnerstag, den 9. August hat Schweden den Court of Arbitration for Sport (CAS) in der Schweiz angerufen, um eine Revision des Ergebnisses des Olympischen Triathlons 2012 von London zu erwirken. Noch an diesem Freitagabend soll der CAS die Argumente der Schweden anhören, die bei der ITU Fehler bei der Auswertung des Zielfotos vermuten. Die Auswertung zog sich am Wettkampftag über rund 10 Minuten ungewöhnlich lang hin und schon kurz nach Zieleinlauf wurden in den Sozialen Netzwerken und Medien Rufe nach zwei Goldmedaillen laut. Die Vergabe zweier Goldmedaillen scheint das Ziel des Einspruchs der Schweden zu sein. Sportlich ist ein entsprechendes Urteil sicherlich zu rechtfertigen, doch das Regelwerk der ITU sieht grundsätzlich nur eine Goldmedaille bei vergleichbaren Ehrungen vor. Wie auch in der Leichtathletik üblich waren im Triathlon auf beiden Seiten der Ziellinie Photo-Finish Kameras aufgebaut, um strittige Zieleinläufe aus verschiedenen Winkeln betrachten zu können. Technische Probleme mit der linksseitigen Kamera reduzierten die verwertbaren Bilder auf das Modell der rechten Seite des Zielkanals.

In einer Ad-hoc Meldung des CAS vom 10. August heißt es sinngemäss "das Schwedische NOC und STF vertreten die Position, dass die ITU [beim Photobeweis] nicht mit dem eigenen Regelwerk konform ist. Möglicherweise ist die Position der Torso der Athleten bei Berücksichtigung der Medaillenränge nicht berücksichtigt worden. Sie ergänzen, dass die Position von Spirigs Torso nicht präzise auszumachen sei, weil sich dieser [horizontal] leicht hinter ihrem Nabel befände und [zusätzlich] vom Torso der Schwedin verdeckt würde. Aus diesem Grund haben das Schwedische NOC und STF beantragt, beide Athletinnen auf Platz 1 zu werten [ex-aequo]  und Lisa Norden eine zweite Goldmedaille zu verleihen."

"CAS AD HOC DIVISION: THE SWEDISH NOC AND THE SWEDISH TRIATHLON FEDERATION REQUESTS THE CAS TO ATTRIBUTE A GOLD MEDAL TO LISA NORDEN

London, 10 August 2012 – The ad hoc Division of the Court of Arbitration for Sport (CAS) has registered an application filed by the Swedish NOC and the Swedish Triathlon Federation (STF) against the decision of the International Triathlon Union (ITU) issued on 8 August 2012 rejecting an appeal from the Swedish NOC requesting that Lisa Norden be ranked in the first place of the women’s triathlon event, ex-aequo with Nicola Spirig (Switzerland).

By rejecting the appeal of the Swedish NOC, the ITU confirmed the ranking of this event, namely first place and gold medal for Nicola Spirig and second place and silver medal for Lisa Norden. Both athletes appear in the ranking with the same time (same second) but the medal positions were decided by the photo-finish.

The Swedish NOC and the STF consider that the ITU did not comply with its own rules because it may not have taken into account the position of the athletes’ torsos when establishing the medal positions. They add that it is not possible to distinguish precisely on the photo-finish the position of Spirig’s torso, which is slightly back from her belly and which is hidden by the torso of the Swedish athlete. For that reason, the Swedish NOC and STF request that both athletes be ranked ex-aequo in first place and that a second gold medal for this event be awarded to Lisa Norden.

A hearing will take place this evening in the offices of the CAS ad hoc Division in London. In addition to the Swedish NOC, the STF and the ITU, Swiss Olympic, the IOC, LOCOG and the two athletes concerned have been invited to attend the hearing. A final decision will be rendered by the CAS on 11 August 2012 before 12 noon, London time."
Quelle: TAS-CAS.ORG

Dienstag, 7. August 2012

REPLAY: Doppelpodium der Brownlee Brüder bei Olympia erneut ansehen

Das imposante Doppelpodium von Jonathan und Alistair Brownlee mit Javier Gomez Noya als Sandwichmittelteil kann via Eurovisionsports.tv ohne lästigen Kommentar nachverfolgt werden. Wer den starken 6. Platz von Jan Frodeno und die harte Arbeit auf dem Rad von Steffen Justus und Maik Petzold verpasst hat findet unter dem unten stehenden Link das Triathlonfinale der Herren, bei Olympia London 2012 zum Nachfiebern. Das Damenfinale mit dem Photofinish zwischen Nicola Spirig und Lisa Nordén steht ebenfalls im Archiv zur Auswahl.
Die ganze Dramatik der Entscheidungen im Olympischen Triathlon können im Internet in vielfältiger Weise angesehen werden. Screenshot: Eurovisionsports

Samstag, 4. August 2012

Olympia Triathlon London: Haug, Dittmer, Bazlen "verschenken" Podium durch fehlende Teamtaktik

Nicola Spirig aus der Schweiz und die Schwedin Lisa Nordén haben den von zahlreichen Stürzen geprägten olympischen Triathlon von London mit einem beherzten Sprint zeitgleich beendet. Die Auswertung des Fotofinishs bestätigte kurz nach Zieleinlauf die Schweizerin aus dem Hause des Erfolgstrainers Brett Sutton als Goldmedaillengewinnerin, die sprintstarke Nordén kann sich über Silber freuen.
Nicola Spirig (SUI) im Hintergrund hatte wenige Tausendstel einer Sekunde entscheidende Körperteile vor Lisa Nordén (SWE) im Ziel. Photo: IOC - LOCOG - Omega Timing
Von den hoch gehandelten Top-Favoritinnen erfüllte die Australierin Erin Densham mit Bronze gerade so noch die exorbitant hohen Erwartungen. Lokalmatadorin Helen Jenkins fiel auf den letzten Metern des Rennens aus den Medaillenrängen heraus. Sie hielt dem riesigem Druck nicht Stand und bestätigte einmal mehr, dass Favoritensiege beim Triathlon von Olympia selten vorkommen. Jenkins konnte trotz zweier abgestellter Helferinnen nicht die erhoffte Goldmedaille am Hyde Park holen.
Anne Haug (GER) kam bei ihrem ersten Einsatz bei den Olympischen Spielen im Triathlon dank einer herausragenden Laufleistung auf den 11. Gesamtplatz und wurde beste Deutsche. Photo: DTU - Petko Beier
Bemerkenswert waren an diesem Tag der zahlreichen Stürze auf den vom nächtlichen Regen rutschigen Abschnitten roten Asphalts aber Details der Renntaktiken einzelner Nationen. Während zahlreiche Athletinnen wie Andrea Hewitt oder auch Jenkins dem hohen Lauftempo von knapp unter 34 Minuten auf den letzten 2 Laufkilomtern Tribut zollen mussten, glänzte die US-Amerikanerin Sarah Groff durch einen progressiven Lauf, der sie wieder zurück in die Spitzengruppe und auf Rang 4 brachte.

Ebenfalls bemerkenswert der Laufsplit der Deutschen Anne Haug, der exakt die Splits der beiden Erstplatzierten spiegelt. Was wäre also möglich gewesen, wenn die Triathletinnen der Deutschen Triathlon Union einer Teamtaktik gefolgt wären? Was wäre gewesen, wenn Svenja Bazlen nicht beständig Führungsarbeit in der ersten Gruppe geleistet hätte, keine Energie in einem halben Dutzend sinnloser "Antritte" vergeudete ohne sich selbst in der Position entscheidend verbessern zu können? Eine oder zwei beherzte Attacken wären an dieser Stelle erfolgversprechender gewesen.
Anja Dittmer (GER) bestätigte mit dem 12. Platz bei ihrem vierten Start im Olympischen Triathlon ihre Zugehörigkeit in der Weltspitze bei wichtigen Rennentscheidungen. Eine Muskelverhärtung im Vorfeld und Krämpfe im Rennen selbst verhinderten möglicherweise das beste Ergebnis ihrer langen Karriere. Photo: DTU - Petko Beier
Was wäre also gewesen, wenn sich eine mit einer Muskelverhärtung im Vorfeld und Krämpfen im abschließenden Laufen herumplagende Anja Dittmer in den Dienst von Haug gestellt hätte? Was hätte Anne Haug, seit den Zeiten einer Sonja Krolik schnellste Läuferin der DTU, am Tag X erreichen können? Sie hat an ihrer Schwimmschwäche gearbeitet, kam mit übersichtlichem Abstand aus dem Serpentine Lake und hatte doch keine Chance an diesem 4. August. Auf dem Rad wurde - wenig überraschend - in der Spitze nicht wie bei so vielen Welt Cup Events gebummelt. Haugs eigene Gruppe harmonierte nicht, nur wenige Triathletinnen waren zu einer Mitarbeit bereit oder fähig. Alles kaum überraschende Umstände, Faktoren mit Ansage: Die DTU war einer Medaille bei Olympia im Triathlon der Frauen noch niemals so nah'.

Die Olympischen Spiele von Rio de Janeiro 2016 erscheinen Lichtjahre entfernt, neue Talente kommen und gehen wie Verletzungen. Ein Wechsel von Haug, die sich ausserhalb der Förderstrukturen der Deutschen Triathlon Union für London qualifizieren konnte, auf ein Non-Drafting Format erscheint möglich.
Svenja Bazlen (GER) leistet sehr viel etwas ungestüm wirkende Führungsarbeit in der ersten Radgruppe ohne sich dabei absetzen zu können. Zeitgleich verhinderte sie den Anschluss der zweiten Gruppe mit Anne Haug. Photo: DTU - Petko Beier
Muss man die Athletinnen und die Verantwortlichen der DTU kritisieren? Ein klares "Jein". Es ist gut und richtig, dass die DTU keine reinen Wasserträgerinnen nominiert, sondern klare und transparente Kriterien formuliert und diese einhält. Gratulation dafür. Die Schweiz hatte mit Daniela Ryf extra eine Helferin für Spirig abgestellt, die aber zu keinem Zeitpunkt auf dem Rad für ihre Teamkollegin in Erscheinung treten konnte. Bereits nach dem Schwimmen lag sie hoffungslos abgeschlagen zurück. Für diese Edelhelferin wurde die individuell stärker einzuschätzende Eidgenössin Melanie Anaheim nicht nominiert. Anaheim, die über die Qualifikationsperiode die wichtigen Punkte zur Entsendung der zweiten Schweizer Athletin gesammelt hat. Ein Umstand der Athleten traurig und wütend machen kann, vielleicht auch destruktiv werden lässt.

Noch desaströser die Bilanz der Gastgeber aus Großbritannien: keine Medaille für Jenkins und zwei Helferinnen, die selbst Platz 26 und 33 erreichten, aber individuell stärkeren Athletinnen vorgezogen wurden. Triathletinnen, die auch hier die Kohlen der maximal verfügbaren drei Startplätze aus der mühseligen Qualifikationsphase für den Gastgeber aus dem Feuer geholt haben und dafür vom Verband abgestraft wurden.

Selbst Australien, wegen ihrer Nicht-Nominierung der Goldmedaillengewinnerin von Beijing Emma Snowsill heftig kritisiert, ist durch Denshams Bronze-Medaille mit einem dicken blauen Auge gerade so davongekommen. Dem eigenen Anspruch wird der 3. Platz nicht gerecht werden.

Es ist aber nicht richtig gewesen, dass die DTU den nominierten Triathletinnen keine Teamtaktik ans Herz gelegt hat oder diese nicht umgesetzt wurde. Ja, Triathlon ist eine Individualsportart. Im Sinne der Chancengleichheit muss sich aber auch der Triathlon in Deutschland der Wirklichkeit stellen. Diese hat erstmalig den Einsatz von Edelhelfern im Olympischen Triathlon gesehen - mit Ankündigung. Das Herrenrennen von London wird noch deutlichere Bemühungen, etwa der Briten um Jonathan und Alistair Brownlee sehen, die bereits im Vorfeld, in den langen Trainingswochen vor London, eine funktionierende Schwimm-Radruppe sondieren. Rio 2016 wird wegen der vielleicht schon dann kürzeren Distanzen und Modi völlig neue Perspektiven für solche Teams eröffnen.

Hat Deutschland wegen eines taktischen Fehlers im Team eine Medaille verloren oder ist die individuelle Verwirklichung der sportlichen Einzelinteressen im Triathlon höher zu bewerten? Eine durchaus knifflige Frage, die verschiedene Interessensgruppen gegenseitig abwägend sehr unterschiedlich beantwortet werden kann...

Eine Antwort kann für alle Triathletinnen, die von Verbänden nicht nominiert wurden, ein schöner olympischer Moment geben. Paula Findlay, kanadischer Senkrechtstarter der Saison 2010, lag nach desaströsem Schwimmen und Radfahren kurz nach Beginn des Laufens weinend an der Seitenbande in den Armen eines Betreuers. Lange an einer Hüftverletzung laborierend kam das große kandadische Lauftalent nicht mehr rechtzeitig für London in Schwung. Das vorzeitige DNF war wenige Herzschläge entfernt. Es ist nicht im Detail bekannt, was der kanadische Betreuer ihr gesagt hat. Findlay trug schließlich den olympischen Gedanken weiter über die Laufstrecke, auf der sie kurze Zeit später von den besten Triathletinnen des Tages überrundet werden sollte, um als 52. und letzte aller 55 Starterinnen unter tosendem Applaus ins Ziel zu kommen. Findlay hat man die Chance auf eine Teilnahme aus Gründen der Teamtaktik nicht genommen. Das Erlebnis und wertvolle Erfahrungen kann ihr kein Mensch streitig machen.

Danke Kanada für den Mut und exakt diesen olympischen Moment, der dem Zielsprint von Spirig, Nordén und Densham nicht nachsteht. Glückwunsch an alle Finisher und Teilnehmerinnen und natürlich an Anne Haug, Anja Dittmer und Svenja Bazlen für die Plätze 11, 12 und 32 für die DTU.