Sonntag, 14. Oktober 2018

Daniela Ryf, die Unbezwingbare: IRONMAN Hawaii Weltmeistertitel Nr. 4 in Folge

Kommentar: Daniela Ryf (SUI) ist bei perfekten klimatischen Bedingungen im Rahmen der 40. Auflage des IRONMAN Hawaii Triathlons auf Big Island der zugedachten Rolle der Top-Favoritin vollends gerecht geworden und siegt mit historischer Gesamtzeit, die für Dekaden bestehen könnte. Ryf zeigte mit der gezeigten Solo-Show die beste Leistung aller Triathletinnen und Triathleten. Der geringe Abstand von nur 33:46 Minuten auf Gesamtsieger Patrick Lange und der unterschiedliche Rennverlauf untermauern diese These eindrücklich. 
In der beeindruckenden Gesamtzeit von 8:26:16 Stunden (57:26 - 4:26:07 - 2:57:05) und neuen Streckenrekorden für die Radstrecke und die Gesamtstrecke hat es die Schweizerin geschafft unmittelbar vor dem Start die Nerven zu behalten, als die Nesselkapseln einer Qualle beide Achselhöhen beim Warmschwimmen in Mitleidenschaft zogen. Ryf reagierte nicht allergisch, vermied eine schockähnliche Schmerzreaktion, obwohl sich die Arme während der 3,86 Kilometer im Südpazifik weiter schmerzten und sich Taubheitsgefühle einstellten. „Aufgeben war trotzdem keine Option“ (DNF is no option) wird Ryf mehrfach nach dem Zieleinlauf sagen - ganz in der Motto-Tradition dieses Blogs.

Unter diesen Umständen war der große Rückstand nach dem Schwimmen auf den aufstrebenden Stern Lucy Charles aus England verschmerzbar, die einen weiteren Rekord aufstellte: 48:13 Minuten für 3,86km auf Solotour im Pazifik! Der Rest ist Geschichte, eine beherzte Attacke auf dem Rad und ein grundsolider Marathon sicherten Sieg Nummer 4 vor Charles und Anne Haug (GER), die ein herausragendes Debüt auf Big Island beim erst zweiten IRONMAN überhaupt in die Lavawüste gebrannt hat. Hopp Schwiiz!

Ryf hat damit Chrissie Wellington (GBR) eingeholt und wandelt mit traumwandlerischer Sicherheit auf den Spuren von Eidgenössin Natascha Badmann, die ganze 6 Titel erreichen konnte.

In den kommenden zwei Jahren sollte eine Daniela Ryf in normaler Verfassung Titel 5 und 6 erreichen können, auch wenn mit Charles, Haug und Sarah True (USA) drei neue Mitbewerberinnen Stück für Stück aufschließen werden. Für die Auflagen des IRONMAN Hawaii der folgenden Jahre können sich aus deutscher Sicht neben Haug auch die Newcomerinnnen Laura Philipp und ggf. Daniela Sämmler Chancen auf die Top 10 ausrechnen.

Hawaiian Ironman World Championships
Kailua-Kona, Hawaii, USA
13. Oktober 2018
Schwimmen 3,86k - Radfahren 180k - Laufen 41,195k

1. Daniela Ryf (SUI) 8:26:16 (57:26 - 4:26:07 - 2:57:05)
2. Lucy Charles (GBR) 8:36:32 (48:13 - 4:38:11 - 3:05:50)
3. Anne Haug (GER) 8:41:57 (54:19 - 4:47:45 - 2:55:22)
4. Sarah True (USA) 8:43:32 (52:04 - 4:49:19 - 2:57:38)
5. Mirinda Carfrae (AUS) 8:50:44 (58:16 - 4:46:05 - 3:01:41)
6. Sarah Crowley (AUS) 8:52:29
7. Kaisa Sali (FIN) 8:54:26
8. Angela Naeth (CAN) 8:57:34
9. Corinne Abraham (GBR) 8:58:57
10. Lindsay Corbin (USA) 9:01:55 

Ein Weltmeistertitel in Teamarbeit, Patrick Lange sichert sich mit Hilfe von Andreas Dreitz erneut IRONMAN Hawaii

Kommentar: Patrick Lange (GER) konnte trotz überraschend schwacher Schwimmleistung von 52:42 Minuten bei klimatisch extrem schnellen Bedingungen während der 40. Auflage des IRONMAN Hawaii Triathlons einen neuen Rekord aufstellen, der wahrscheinlich für eine gefühlte Ewigkeit unangetastet bleiben dürfte. Kaum spürbarer Wind von oft nur 6-18km/h, leichter Regen beim Radfahren und erst spät durch die Wolken durchbrechende Sonne beim Laufen sorgten für die passenden Rahmenbedingungen, um bei herausragenden 7:52:30 Stunden die große Uhr am Alii Drive in Kailua Kona stoppen zu lassen: historischer Streckenrekord. Diese Sub8 sollte neben den Rekorden in der Damenkonkurrenz durch Charles und Ryf nicht die einzige Sensation des Tages bleiben. 
Beindruckend präsentierte sich der ehemalige Radprofi Cameron Wurf (AUS), der nach Rekord auf der Radstrecke im Jahr 2017 diesen noch einmal um 3 Minuten verbesserte: 4:09:06 Stunden für 180km Zeitfahren sind exorbitant. Ein 9. Gesamtplatz untermauert Wurfs Aussagen, dass ein Rekord nur taktisches Nebenprodukt sei.

Einen weiteren Rekord stellte der ehemalige Profi Jan Sibbersen im Schwimmen auf, der mit dem alleinigen Ziel angetreten war, die Bestzeit aus dem Jahr 1998 von Lars Jorgensen (46:41) zu brechen. Nach ausgiebiger Feier in der T1 musste der um 11 Sekunden unterbotene Rekord im Anschluss noch durch ein Finish im Zeitlimit validiert werden. Die Uhren stoppten für den Routinier bei 10:37:33  (46:30 - 5:12:52 - 4:26:26) Stunden.

Zu den großen Verlierern des Tages müssen der vielfache Weltmeister auf diversen Distanzen Javier Gomez Noya (ESP), der ehemalige Vize-Weltmeister Lionel Sanders (CAN), Jan Frodeno (GER) und Sebastian Kienle (GER) gezählt werden. Für die beiden erstgenannten Vorbilder vieler junger Triathletinnen und Triathleten steht Denkarbeit auf dem Programm der nächsten Wochen. Gomez muss sich entscheiden, ob er sich mehr Zeit für den Wechsel auf die Langstrecke gönnt und damit auch mehr Arbeit und Zeit in das Radfahren in Zeitfahrposition investieren möchte oder doch noch einmal die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen von Tokio avisiert. Sanders wird sich nach seinen ernährungstechnischen Eskapaden im Sommer mit signifikantem Gewichts- und Dauerleistungsverlust auf dem Rad beim Blick auf die wohl einmalig für besonders schwere Athleten gestrickten Wetterbedingungen hoffentlich auf seine Stärken zurückbesinnen.

Jan Frodeno, schnellster Mensch auf der Langstrecke, Olympiasieger, zweifacher IRONMAN Hawaii Champion und aktueller IRONMAN 70.3 Weltmeister dominierte die Saison 2018 beliebig und scheinbar spielerisch, bevor er sich mit einem Ermüdungsbruch wenige Wochen vor dem IRONMAN Hawaii als absoluter Top-Favorit von der Startliste verabschiedete: DNS. „Frodo“ wird mit Blick auf die verbleibende, von ihm selbst festzulegenden 1-3 Jahren „Restlaufzeit“ als Profi auf absolutem Top-Niveau den herausragenden äußeren Bedingungen des Jahres 2018 nachdenklich hinterher schauen. Verpasste Chancen einmal mehr Geschichte im Triathlon zu schreiben.

Sebastian Kienle verlor nach für ihn gutem Schwimmen die Fortune in den Lavafeldern. Technischer Defekt (unmotivierte Schaltvorgänge, Ausrichtung des Hinterrads im Hinterbau), Ersatz-Hinterrad und Verlust der guten Position paarten sich mit  einer erneut aufbrechenden Verletzung an der linken Achillessehne. Aus diesem Tal muss sich der ehemalige Weltmeister im IRONMAN Hawaii Triathlon und im IRONMAN 70.3 in naher und mittlerer Zukunft erst einmal selbst befreien.

Im Rennen der Top-Profis um den Titel überraschte Lange mit einer taktischen Variante, die augenscheinlich aus der Not geboren war. Langes Teamkollege Andreas Dreitz setzte sich nach Langes Debakel im Schwimmen mit Blick auf die eigene Platzierung uneigenützig direkt vor den Titelverteidiger, um ihn in die erste große Verfolgergruppe mit den anderen Top-Favoriten und Laufgranaten zu katapulieren und dann den Rückstand dieser Gesamtgruppe quasi im Alleingang auf die enteilten Ausreißer Wurf, Andrew Starykowicz (USA) und Josh Amberger (AUS) in Grenzen zu halten - ohne dabei Lange nach hinten aus der Gruppe zu verlieren. Lange, der zu Beginn der Radstrecke von einem Kampfrichter mündlich erinnert wurde, den Abstand zu Vordermann Dreitz nicht zu gering werden zu lassen, verhielt sich in der Zeit danach vollumfänglich dem Regelwerk entsprechend. Lange, bekennender Fan der hawaiianischen Mythologie gab sich keine Blöße für Kritik, wie in der Woche vor dem Event von Sebastian Kienle und Jan Frodeno in der FAZ im Bezug zu vergangenen Rennverläufen geäußert.

Ob dieser Titel, auf die Gesamtzeit betrachtet, nicht zu 50% Dreitz gehört, muss zur Diskussion gestellt werden. „Ohne Andi (Dreitz) wäre der Sieg nicht möglich gewesen“ soll sich Lange später mehrfach bei seinem wichtigsten Mitbewerber und Helfer bedanken. Hätte Lange ohne Dreitz gewonnen? Möglicherweise! Vielleicht hätten aber auch die guten, bzw. sehr guten Läufer Bart Aernouts (BEL), David McNamee (AUS), Timothy O'Donnell (USA) oder Braden Currie (NZL) den Marathon verhaltener und strategischer gestartet und wären Lange allesamt enteilt. Eine Retrospektive hilft allenfalls bei der Einordnung des Rennverlaufs.

Entspricht dieser Titelgewinn mit Teamunterstützung dem Charakter des IRONMAN Hawaii? Der ursprünglichen Definition sicherlich nicht und auch nicht der Mentalität vieler Profis aus Deutschland. Sportarten entwickeln sich weiter. Der Gewinn entspricht der Triathlon-Variante auf den kurzen Distanzen. Zur Relativierung, Einordnung und der Vollständigkeit halber muss aber auch erwähnt werden, dass dem Duo Lange-Dreitz keine neue Erfindung gelungen ist. Illegale und legale Zweckgemeinschaften, Domestiquen und Wasserträger gab es auf der Langstrecke etwa im Umfeld von Chris McCormack (Kieran Doe), weiblichen Profis mit männlichen Pacern, etc. schon immer. Festzuhalten bleibt, dass sich Lange und Dreitz spätestens nach der Intervention des Kampfrichters voll im legalen Rahmen bewegt haben.

Tūtū Pele (Madame Pele) schenkte dem IRONMAN Hawaii zur 40. Auflage besonders schnelle Bedingungen. Ob die hawaiianische Göttin von Vulkan und Feuer das Ergebnis der WM der Männer goutiert muss die Zukunft weisen. Karma is a bitch...


Hawaiian Ironman World Championships
Kailua-Kona, Hawaii, USA
13. Oktober 2018
Schwimmen 3,86k - Radfahren 180k - Laufen 41,195k

1. Patrick Lange (GER) 7:52:30 (50:37 - 4:16:05 - 2:41:32)
2. Bart Aernouts (BEL) 7:56:41 (54:07 - 4:12:26 - 2:45:42)
3. David McNamee (GBR) 8:01:09 (49:31 - 4:21:19 - 2:46:03)
4. Timothy O'Donnell (USA) 8:03:17 (47:45 - 4:18:46 - 2:52:34)
5. Braden Currie (NZL) 8:04:41 (49:28 - 4:17:18 - 2:53:39)
6. Matt Russell (USA) 8:04:45
7. Joe Skipper (GBR) 8:05:54
8. Andy Potts (USA) 8:09:34
9. Cameron Wurf (AUS) 8:10:32
10. Michael Weiss (AUT) 8:11:04

Samstag, 13. Oktober 2018

Wetterupdate Big Island of Hawaii für die Regionen Kona und Kohala für den RONMAN Hawaii

Das Wetter scheint in diesem Jahr die schweren Triathletinnen und Triathleten zu begünstigen, weil Regen, Wolken und mäßiger Wind das Thema Überhitzung und Kühlung nicht ganz so wichtig erscheinen lassen. Risikofreudige und auf dem Rad technisch versierte Athletinnen und Athleten, etwa mit einer Historie bei der World Triathlon Series (WTS) der ITU  oder aus Mittel- und Nordeuropa könnten von der Wetterkonstellation profitieren. Es könnte ein Jahr wie 2006 werden, vielleicht mit etwas mehr Regen. In der Rennprognose zeichnet sich das Szenario "Kühl, regnerisch, wenig Wind" ab.

Für die relevanten Regionen von Kona und Kohala sind Regenschauer, die durchaus den Charakter von Starkregen entwickeln können, vorhergesagt. Ebenfalls prophylaktisch warnen die zuständigen Ämter für die Regionen rund um die zahlreichen Steilhänge vor partiellen Sturzfluten, die temporär auftreten können. Ob diese, wenn sie überhaupt eintreten, eher im Norden bei Hilo und damit ohne Relevanz für das Rennen oder tatsächlich in Kailua-Kona oder sogar in Hawi zu erwarten sind, wird der Renntag aufklären. 
Für die Region rund um die Rennstrecken des IRONMAN Hawaii 2018 gilt weiterhin eine Warnung vor durch Starkregen induzierten Sturzfluten an den Steilhängen von Big Island. Screenshot: Accuweather.com. 

Für die Region rund um Kailua-Kona gilt es folgende Wetterprognose für den Renntag am 13. Oktober 2018:

Bewölkt. Zahlreiche Schauer und vereinzelte Gewitter am Morgen, dann häufige Schauer und vereinzelte Gewitter am Nachmittag. Lokal starke Niederschläge möglich. Höchstwerte um 30°C am Ufer bis etwa 21°C bei 1.700 Höhenmetern über N.N. Leichte Winde. Regenwahrscheinlichkeit 90 Prozent.

Für die Kohala Mountains an deren Ausläufern sich die Radstrecke in Richtung Hawi und zurück schlängelt nachfolgende Wetterprognose:

Bewölkt. Streuschauer und leichte Gewittergefahr am Morgen, dann zahlreiche Schauer und leichte Gewittergefahr am Nachmittag. Lokal starke Niederschläge möglich. Höchstwerte 21 bis 30°C. Leichte Winde. Regenwahrscheinlichkeit 60 Prozent.