Samstag, 21. Oktober 2006

Ein Regenschauer zum Abkühlen

Wie sollte es auch anders sein, kommt pünktlich um 20:00 uhr der nächste Regenschauer den Alli Drive entlanggekrochen. Es wird Morgen ein sehr, sehr heißer und schwül-warmer Renntag werden.

Dinge, die man nicht machen sollte Teil VI – das „Finale Grande“ ist nicht mehr weit…

Natürlich, es gibt diese Empfehlungen. Gutgemeinte Tips von schlauen Ratgebern und noch schlaueren Bloggern. Was man nicht tun sollte vor einem Rennen wie der Ironman-Weltmeisterschaft auf Hawaii. In der letzten Woche vor dem Rennen soll man vorsichtig sein, reduziert trainieren und aufpassen, daß nichts mehr passiert mit der Gesundheit. Hawaii ist ja sooooo gefährlich - soso. Jetzt mal ein kleines Ranking aus unserem unmittelbaren Umfeld:

1. Ersatzreifen, wieso?
Dies gilt vor allem für die sündteuren Schlauchreifen, die auf der Insel locker 100 US$ kosten können – wenn man sie noch bekommen sollte. (Servus Markus, Gruezi Karin ;-). Gut das wir die Pro Limited Edition des Weltmarktführes aus Korbach und Pannensprays gleich dutzendweise in der 3athlon Power-WG eingelagert haben.

2. Hey, laßt uns mal schnell 'nen Prototypen machen
Man sollte sein Equipment mindestens 7 Tage im Voraus zusammengebaut haben und mehrfach getestet haben (Servus Faris).

Es ist aber nicht so, daß nur die Profis Fehler machen. Unsere startende "Redaktion" reiht sich perfekt in die unvollständige Listung ein.


3. Wenn die roten Fahnen wehen
Also auf nach Hapuna Beach, es ist der erste Tag auf der Insel, das erste Mal Hawaii. Schöner Strand hier, wirklich. Rote Fahnen wehen im Wind, weißer Schaum bildet sich oben auf den Wellen, die mächtig ans Ufer platschen. T-Shirt runter und hinein ins Wasser.

Damit wären wir beim nächsten Fehler. Die Welle kommt, rein jetzt. Ohoh, das war zu spät, der Zirkus beginnt. So also muß sich jemand fühlen, der versehentlich in eine Waschmaschine gerät. Oben ist unten, unten ist oben, alles dreht sich, bis es "dotz" macht und knackt. Mit dem Kopf senkrecht auf dem Boden aufsetzend, ruckt es schön durch im Wirbelsäulenbereich. Kleine Schürfwunden auf beiden Knien.

4. Man sollte Flipflops als Minimal-Tragelösung akzeptieren
Auf dem Weg zum Auto verbrenne ich mir dann noch die Fußsohlen beim unüberlegten Barfußgehen über den asphaltierten Parkplatz.

Am zweiten Tag kracht erst der rechte kleine Zeh gegen das fette Polstermöbel, später der linke kleine gegen das Tischbein. Daß sich am Mittag beim Strandbesuch ein Muschelstück irgendwie durch die Hornhaut des linken Großzehs bohrt und schmerzend im Fuß verschwindet, fällt kaum auf.

5. Wie war das mit dem Sonnenuntergang am Äquator?
Um es zu toppen, geht's abends noch kurz mit dem Rad zum Radladen. Ein paar Fragen, eine Gaskartusche, plaudern, ein kurzes Aloha, und schon ist es dunkel. Super, wie ein Depp im Dunkeln am Alii Drive zurück. Zum Glück erkennt einen keiner.

6. Never touch a running System
Ob es wohl am Besuch von Hapuna liegt, dass der Nacken komplett verspannt ist? Aber man kann ja trotzdem mal eben noch die Position des Aerolenkers verändern. Linderung bringt das zwar keine, aber dafür Verwirrung, was paßt und was nicht. Immerhin beim letzten harten Training nur an- und nicht abgeschossen.

7. Maximalspeed zwischen Lava Java und Pier
Obwohl, es hätte dicker kommen können: Andere gehen bis 24 Stunden vor dem Wettkampf auf dem Alii Drive in der Hitze regelmäßig so übers Limit hinaus, dass nicht nur der Salzhaushalt zerstört ist, sondern wohl auch die gesamte Vorbereitung dahin. Soll nicht überheblich klingen, denn ich bin auch nur gerade so zuhause angekommen mit meinen drei Trinkflaschen.

8. Schnell mal noch kurz den kurzen Stich da hoch
Einen Tritt verdient auch, wer abends glaubt, noch ein kurzes Läufchen machen zu müssen, am besten auf dem alten Marathonkurs Richtung Pit. Die Straße fällt so schief seitlich ab und führt so steil hinab, daß es sich a) super wegknicken und b) die Knie schön demolieren läßt. Wer beides schafft, darf sich selbst gratulieren. Kurz vor dem Rennen schiebt mich eine Welle beim Schnorcheln noch gegen einen Felsen, und hinter einem "Cruiser" muss ich beim Autofahren so abbremsen, daß es nochmal wie ein Messer durchs Genick zieht. Von einem Zug in dem auf gefühlte Gefriertemperatur abgekühlten Supermarkt wollen wir gar nicht erst sprechen. Der Renntag muss endlich kommen, sonst macht mich Hawaii noch zum kompletten Wrack.

Text: Volker Boch und Kai Baumgartner – 3athlon.de